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Orthomolekulare Medizin

Diagnostik in der orthomolekularen Medizin

Orthomolekulare Medizin ist eine relativ neue Sparte der Medizin speziell in Europa. Linus Pauling definiert die orthomolekulare Medizin als "Erhaltung der Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind".

Diese Art von Heilkunde hat also ein klares Konzept, nämlich die Ursachen der Krankheiten mit Nährstoffen zu beseitigen. Dabei stellt sich natürlich für einen ganzheitlich denkenden Arzt sofort die Frage warum es eine Verschiebung oder Defizienz im Nährstoffhaushalt des Patienten gegeben hat.

Ein Hauptgrund ist sicherlich die prozessierte und denaturierte Nahrung der "zivilisierten" Welt und die steigenden Umweltbelastungen durch Toxine und Schwermetalle, die es heute zum Teil unmöglich machen, Spurenelemente und Vitamine in der nötigen Menge aufnehmen zu können.

So weist Perger (Wien) schon seit Jahren darauf hin, daß bei Reihenuntersuchungen bei "gesunden" Probanden erhebliche Zink-Defizite festgestellt wurden, da einfach eine normale Versorgung mit Zink durch Vegetabilien aufgrund unserer kranken Böden in der Intensivlandwirtschaft die Versorgung mit einigen Spurenelementen nicht mehr gewährleistet ist. Werden solche Mängel dann nicht durch Supplemente rechtzeitig behoben, findet eine Aufzehrung im Körper statt. Der Körper holt sich diese Stoffe für seine lebenswichtigsten Organe von den weniger wichtigen Organen.

So hat die orthomolekulare Medizin vor allem in der Behandlung der chronischen Zivilisationskrankheiten und in der Psychiatrie ihren Platz gefunden, speziell bei der Behandlung von Geisteskrankheiten. Jedoch kann bei fast allen Krankheiten eine Stärkung des Organismus und eine Linderung der Beschwerden durch Supplemente erzielt werden. So weiß man, daß gegen die heute weitverbreitete "Streßkrankheit der Vitamin-B-Komplex, Cholin und Paraaminobenzoesäure vorzüglich wirksam sind. Gleichzeitig muß aber auch der Synergismus und Antago-nismus zwischen bestimmten Nährstoffen berücksichtigt werden: So stört zum Beispiel das Zitrat in Zitrusfrücht-ten die Resorption von Vitamin A oder aber ungesättigte Öle und Fette benötigen größere Mengen Vitamin E als Oxydationsschutz.

Meist liegen aber bei Erkrankungen auch reine Resorptionsstörungen vor. So wird bei Osteoporose das Nahrungs-kalzium schlecht resorbiert da zu wenig Magensäure produziert wird, auch wenn das Kalzium dann oft im Urin vermehrt ausgeschieden wird. Fettlösliche Vitamine (Vit. A, D und E) werden nur dann resorbiert, wenn Fette in der Nahrung vorhanden sind und damit der Gallenfluß angeregt wird. Zink wird im leeren Magen oder mit Milchprodukten schlechter resorbiert als mit Gemüse und Fleisch.

Orthomolekulare Medizin befaßt sich auch mit der Kosmetik, wobei nur körpereigene Substanzen zur Anwendung kommen, die dann über die Haut hinaus auf den ganzen Körper wirken können.

Zusammenfassend kann man sagen (Zitat aus dem Buch von Burgerstein: Heilwirkung von Nährstoffen, S. Auflage 1988, Haug Verlag):

Die Nährstoffwissenschaft befaßt sich mit:
  • Folgen von Überschuß oder Mangel an Nährstoffen-
  • Chemie und Pharmakologie der Nährstoffe, d.h. die Lehre von der Resorption, von synergistischen und antagonistischen Zusammenhängen
  • Der Pharmakotherapie der Nährstoffe, d.h. welche Nährstoffe gegeben werden müssen bei verschiedenen Krankheitszuständen, ebenso wie die richtigeDosierung
  • Enzymlehre und Beeinflussung der Enzyme durch Nährstoffe
  • Entgiftung des Körpers mittels Nährstoffen, zum Beispiel von schädlichen Schwermetallen wie Quecksilber, Cadmium, Blei
  • Verringerung von Schäden, welche durch körperfremde Arzneimittel oder an dere therapeutische Maßnahmen verursacht sind, mittels Nährstoffen
  • Beratung für gesunde Ernährung
  • Nebenwirkungen von Nährstoffen sowie allfällige Gegenanzeigen
Bei dieser Gelegenheit muß auf die Additive in unserer Nahrung hingewiesen werden, das heißt Geruchs-Geschmacks-, Farb- und Konservierungsstoffe. Diese Stoffe müssen zwar in Tierversuchen geprüft werden - zu einem großen Teil an Kleinnagern wie Ratten, Mäusen, Kaninchen und an Hunden (Beagles), die Versuche sind jedoch nicht unbedingt auf den Menschen übertragbar. Die Versuchstiere bekommen immer nur ein Additiv zu einer sonst optimalen Ernährung, was man bei den meisten Menschen nicht sagen kann, und zweitens sind alle Versuchstiere im Gegensatz zum Menschen in der Lage Vitamin C im Körper selbst zu produzieren, von dem man weiß, daß es Giftstoffe aus dem Körper entfernen kann.

In letzter Zeit hört man von einer typischen Additiverkrankung bei Kindern (Natriumphosphat- Kinder), bei der Hyperaktivität mit Konzentrationsschwäche und assozialem Verhalten gepaart sein kann. Herkömmliche Toxizitätsbestimmungen gerade der sehr niedrigen toxischen Dosen scheitern oft noch an der Unzulänglichkeit der technischen Ausrüstung. In der USA geht C. Pfeiffer jedoch davon aus, daß im Jahr 2 kg Lebensmitteladditive von einem Erwachsenen geschluckt werden.

Die Diagnose in der orthomolekularen Medizin kann auf verschiedene Arten erfolgen. Man kann sich einmal der Spektralanalyse im Vollblut oder Serum bedienen oder aber der Haaranalyse. Beide Methoden haben Vor und Nachteile. So stellt die Spektralanalyse immer nur eine Momentaufnahme dar, die sehr abhängig ist von der momentanen Ernährung. Die Haaranalyse bringt uns eine bessere Aussage über ca. 2- 3 Monate, wohingegen noch nicht bei allen Spurenelementen im Haar eine Korrelation zu dem Vorliegen des jeweiligen Elements im Körper nachgewiesen ist. So ist oft bei hohen Zinkhaarspiegeln trotzdem eine Substitution angezeigt.

Mit der Analyse des Kryptopyrol (Malvenfaktor) kann man eine Pyrolurie erfassen. Die Pyrolurie ist eine der Porphyrie verwandte, aber wesentlich häufiger auftretende Stoffwechselstörung, die sich in Depressionen und auch assozialem Verhalten besonders in der Jugend äußern kann. Das Kryptopyrol führt zum Zink- und Vitamin B6- Mangel. Es ist meist eine vererbte Stoffwechselschwäche, zeigt sich beim Patienten in Blässe, weißen Fingernägeln, Amenorrhoe, keiner Traumerinnerung, Leibschmerzen, Atem- und Körpergeruch, Impotenz, Anämie und schlechtem Zahnschmelz, um nur einige Symptome zu nennen. Weiter werden dort Analysen der biogenen Amine (Histamin, Spermin und Spermidin) vorgenommen.

Das Histamin gibt Auskunft über fragliche Allergien und die Zustandsbilder der Histadelie oder der Histapenie. So zeigen Patienten mit Histadelie suizidale Depressionen und Zwangshandlungen, starke Schmerzempfindung, Gedankenleere, gute Zähne, Allergien und Kopfschmerzen. Bei der Histapenie stehen Adipositas, Halluzinationen, Paranoia und ausgesprachen schlechter Zahnschmelz mit vielen Füllungen im Vordergrund.

Durch die Untersuchung des Spermins wird auf einfache Weise, ohne die oft ungenauen und sehr belastenden und leider auch meist viel zu früh abgebrochenen Glucose-Toleranztests, eine funktioneile Hypoglykämie nachgewiesen. Spermin ist gleichzeitig Indikator für Pyridoxinmangel (Vitamin B6). Das Spermidin ist "screening" für intestinale Erkrankungen, wie zum Beispiel der Malabsarption sowie für Erkrankungen der Leber und des Pankreas. Außerdem wird in diesem Labor auch eine Analyse des Mangans vorgenommen, eines eminent wichtigen Spurenelements, was bei funktioneller Hypoglykämie, Senilität, Depression, Epilepsie, Arthritis, Autoimmunerkrankungen sowie bei bestimmten Herzrhythmus- Störungen oder bei hyperchromer- makrozytärer Anämie fast immer defizitär ist.

Weitere diagnostische Hilfsmittel

Normale Laborparameter gehören auch in der Naturheilkunde zur Grundlage jeder Diagnogtik. Ich muß jedoch gleich davor warnen, die Laborwerte von schulmedizinischen Kollegen befunden zu lassen. Die Toleranzwerte, die man heute dem Patienten zubilligt, werden in den letzten Jahren immer größer und, was über den Tisch des Praktikers dann als normal oder ohne Befund läuft, gibt uns mit strengeren Kriterien doch oft Hinweise für das Vorliegen von Störungen.